Das magische Schreiben - wie wir es für uns nutzen können

Ihr Lieben!

Schreiben ist Magie. Wer frei schreibt, weiß, dass es Bereiche in uns offenlegt, die mit dem Verstand nicht zu erklären sind. 

Jürgen vom Scheidt hat ein kleines Heft über das Schreiben als Selbsterfahrung geschrieben, in dem er gleich zu Beginn über die Magie beim Schreiben spricht. Der Magier, sagt er, verbindet kraft des erweiterten Bewusstseins den Himmel mit der Erde, das Schöpferische mit dem Empfangenden (männliche/weibliche Prinzip). Was heißt das?

Im Freien Schreiben erweitern wir unser Bewusstsein, wir verlassen Raum und Zeit, um komplett einzutauchen in eine höhere Dimension. Wir durchschreiten sozusagen die zeitliche Begrenzung, wir erinnern uns an Geschehenes und wir formen mit Worten etwas noch nicht Geschaffenes, das so ein Potential zur Verwirklichung in sich hat. 

 

Schreiben als Kunst und Heilung

Das Schreiben wird zu einer Kunst, wenn wir authentisch das beschreiben, was in uns ist an Gedanken und Gefühlen, Schmerz und Leid genauso wie Hoffnung und Freude (mehr dazu in meiner Seelenfeder). Indem wir das tun, authentisch aufschreiben, was in uns ist, nehmen wir das auch an. Die Annahme dessen, was ist, schonungslos, ehrlich, mutig und bewusst, führt uns in die seelische Heilung. Heilung sei hier verstanden als Heil werden, wieder ganz werden, nicht getrennt sein, sondern verbunden. Heilung führt uns wieder zusammen, uns selbst, unsere Anteile, die so oft gegeneinander spielen. Wir nehmen die Teile in uns an, so wie sie sind, wir geben ihnen eine Stimme und damit Raum und Akzeptanz und so können sich die einzelnen Teile in uns, einander annähern, bis sie wieder heil, ganz sind. 

 

Die Angst vor sich selbst überwinden

Die Magie wirkt also dann, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind. Und genau hier ist die größte Hemmschwelle für viele Menschen. Gerade in meinen Schreibseminaren höre ich das oft, wenn sie wie blockiert vor dem Blatt sitzen und manche Themen meiden wie der Teufel das Weihwasser. Sie haben Angst vor der Wahrheit, die sich ihnen auf dem Blatt Papier zeigen wird. Angst vor der Erkenntnis, dass sie sich ihr Leben in jeder Minute selbst erschaffen. Schreiben bedeutet nämlich sich fallenlassen, sich hingeben (weibliche Teil) in das Unbewusste, in den Schmerz, in die eigene Vergangenheit. Deswegen lesen wir lieber Ratgeber um Ratgeber, machen es uns dabei gemütlich am Kamin, kuscheln uns ein in die Decke und in die Worte des Buches... und machen weiter wie bisher. Erkenntnis kann zwar auch durch das Lesen geschehen, sicher, jedoch hat Schreiben eine viel weit greifendere Dimension. Beim Freien Schreiben erforschen wir das Unbewusste, wir setzen uns dem aus. Lesen ist eher passiv, Schreiben aktiv. Beides zusammen fördert die Heilung. Aber auch Schreiben und Sprechen ist ein gutes Paar, um heil zu werden. Wenn ich Texte vorlesen lasse, so weiß ich, dass das mit einer der wichtigsten Prozesse für die Teilnehmer ist: Im Vorlesen IHRES Textes zeigen sie sich, sie offenbaren sich den anderen. Sie setzen sich Gelächter oder Häme, Kritik oder Neid genauso wie Anerkennung und Bewunderung aus. Das erfordert Mut und so überwinden sie ihre Angst. 

 

Die Praxis des magischen Schreibens

Wie können wir nun das magische Schreiben praktizieren?

  • Im regelmäßigen Tagebuchschreiben und zwar nicht nur, indem wir das Geschehene selbst aufschreiben, sondern auch unsere Gedanken und Gefühle frei herauslassen. Spannend kann es auch werden, wenn wir fiktiv weiterschreiben.
  • Beim Schreiben der Morgenseiten nach Julia Cameron entleeren wir unsere Gedanken bereits morgens mit 3 schnell hintereinander geschriebenen Seiten. 
  • Beim Dialogischen Schreiben gehen wir von einem aktuellen "Problem" aus und lassen alle Anteile in uns dazu zu Wort kommen. Das ist äußerst spannend und sehr effektiv. Die dominante Stimme kann beginnen, dann ruhig in die Stille gehen und Antworten abwarten. Vielen hilft es, sich mit der anderen Stimme Gott vorzustellen oder eine höhere Macht. Bei anderen sprudeln mehrere Anteile wild durcheinander, haltet durch, irgendwann ordnen sie sich. Es muss dabei rauskommen, was die Stimmen wollen, was sie brauchen und wie sie sich eine Lösung vorstellen. 
  • Träume bewusst erinnern (evt. indem wir den Wecker mal nachts auf 3 Uhr stellen) und aufschreiben. Liegen lassen und nach einer Zeit wieder hervorkramen, unglaublich, was wir vorher alles wissen. Ein Beweis dafür, dass wir in der Tat mit etwas verbunden sind, das sich nicht an Zeit und Raum hält!

 

  • 15 Minuten lang über ein Erlebnis schreiben, das euch aus der Vergangenheit belastet. Was genau ist passiert und wie habt ihr euch dabei gefühlt. Diese Übung wird an 3-5 aufeinander folgenden Tagen wiederholt.

 

  • Automatisch Schreiben gelingt bei einem bestimmten Thema oder wenn man eine Frage hat. Diese(s) aufschreiben und die Antwort aufsteigen lassen, indem man drauflos schreibt ohne Punkt und Komma. Es geht um eine gewisse Schnelligkeit beim Schreiben, immer weiterschreiben, nicht stocken. Erst aufhören, wenn der Strom vorbei ist. Nicht korrigieren oder löschen. Nicht analysieren, das, was wichtig ist, wird sich schon in euer Bewusstsein drängen.

All diese magischen Schreibformen sollten regelmäßig praktiziert werden, am besten früh morgens, da sind wir dem Unbewussten am nächsten. Und wir haben mit einer vorherigen kurzen Atemmeditation direkt eine Morgenroutine. 

Wer noch schöne Schreibbücher braucht, es gibt sie gerade bei Aldi Nord sehr günstig für 3,99€. Ich selbst habe dort das "7 Minuten für mich" Tagebuch entwickelt, in dem das Freie Schreiben im Vordergrund steht. Mir persönlich hilft das sehr morgens und abends kurz frei zu schreiben. Schön ist auch, dass man hinterher nachschlagen kann, was man bereits überwunden hat und kein Thema mehr ist. 

Eure Beatrix

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Liselotte Paulmichl (Montag, 03 Dezember 2018 16:13)

    Liebe Frau Beatrix,
    Ihren Artikel über das "magische Schreiben" habe ich, erstaunt darüber, wie jemand so "den Nagel auf den Kopf" treffen kann, nicht gelesen, sondern "verschlungen"! Danke dafür!