Ich will schreiben, aber ich warte auf die richtige Stimmung...

 

Ihr Lieben,

immer wieder begegnet mir die Einstellung, auf den richtigen Moment warten zu müssen, bis man anfängt zu schreiben. Erst am Wochenende kamen Frauen zu mir auf unserem Kunstfrühling, die schon länger ein Buch schreiben wollten, aber nicht anfangen. Dahinter steckt immer die gleiche völlig falsche Annahme über das Schreiben.

 

Bevor ich schreibe, muss ich...

Viele meinen, sie müssten nur erst ihre Spülmaschine ausräumen, den Boden wischen oder sogar abnehmen, bevor sie anfangen zu schreiben. Denn, so meinen sie, es braucht die richtige Stimmung, um zu schreiben. Genau das ist ein Mechanismus unseres sehr geschickten Gehirns, das im Grunde nicht noch mehr Stress will und lieber alles beim Alten belässt. Doch wir alle wissen: Glück ist was anderes...

 

Gute Stimmung oder einfach anfangen?

Richtig ist, dass wir in einer gewissen Stimmung leichter schreiben können, nämlich wenn sich unser Herz in den Vordergrund schiebt. Das geschieht, wenn wir vom Verstand in den unbewussten Bereich gelangen. Doch diese Stimmung muss man nicht erst VORHER erreichen, sie kommt im TUN. Klar, wäre es auch eine Möglichkeit, sich vorher zu entspannen oder zu meditieren, aber jetzt mal ehrlich, wann haben wir diese Ruhe im Alltag? Und genau darum geht es: Schreiben muss etwas werden wie spülen, saugen, wischen, etwas wie Zeitung lesen, aufs Handy gucken, in Facebook surfen.  

 

Um schreiben zu können, muss ich nur eins: Schreiben

Die Stimmung, auf die viele warten, kommt IM Schreiben! Das heißt, wir sollten so oft am Tag wie möglich egal wie viel schreiben. Legt euch ein Buch in jede Ecke und vergesst den Stift nicht. Schreibt auf, dass ihr jetzt erst noch die Badewanne sauber machen müsst, egal was. Nur schreibt. Schreiben muss zu etwas werden, was ihr ZWISCHENDURCH macht. Ihr dürft nicht auf die richtige Stimmung warten, dann fangt ihr NIE an! Und wenn ihr einmal anfangt, dann bleibt ihr auch viel länger dran, als gedacht. 

 

Schreib-Urlaub nicht ausgeschlossen

Und wenn ihr jetzt sagt, ich selbst wäre auch drei Monate weggefahren, um meine Seelenfeder zu schreiben, so ist das wahr. Es war ein Traum von mir, dieses Buch in Spanien zu schreiben. Doch erstens bin ich es gewohnt, regelmäßig zu schreiben und hatte natürlich schon vorher meine Ideen zu Papier gebracht und zweitens schließt das regelmäßige Schreiben ja nicht aus, dass ihr auch mal ein paar Wochen nur zum Schreiben wegfahrt. Das kann ich nur empfehlen. Nur, wenn ihr meint, ihr würdet plötzlich schreiben können, wenn ihr vorher nie groß geschrieben habt und dann für einen Monat ans Meer fahrt, dann seid ihr auf dem Holzweg. Es hat schon viele gegeben, die nach so einem Monat völlig frustriert zurückkamen und NICHTS zu Papier brachten außer Gekritzel.

 

Es braucht Jahre für ein Buch?

Und noch ein krummer Glaubenssatz: Es braucht mindestens 3-5 Jahre, bis ich so ein Buch geschrieben habe. Das kann ich gleich entkräften, denn überlegt mal: jeden Tag eine Seite schreiben, bedeutet 365 Seiten in einem Jahr. Also?! Es ist doch ganz klar, dass wir nicht anfangen, wenn wir denken, dass wir mit dem Schreiben gleich 3-5 Jahre für den Alltag ausfallen und uns auf ein einsames Schloss zurückziehen müssen. Das wird NIE geschehen!

 

Konkrete Tipps

Also: Bücher in jede Ecke legen mit Stift. Immer mal zwischendurch aufschreiben, was einen so gerade bewegt.

Oder wenn man ein Buchprojekt vorhat, sich immer und überall Notizen machen, deswegen immer kleine Büchlein mit sich nehmen. Oder morgens direkt nach dem Aufstehen ein paar Seiten schreiben, das ist sowieso das Beste, so entstehen meine Blogbeiträge ohne irgendeine Anstrengung. Morgens kann man einfach am besten frei schreiben. Oder abends schreiben, ich schreibe jeden Abend eine Seite. Ihr merkt, ein Buch entsteht nicht durch Wunderhand, es entsteht wie im Gastbeitrag beschrieben: Die Hand in Bewegung halten (Goldberg). 

In diesem Sinne: Schreiben nicht warten!

Beatrix

P.S. Die beste Möglichkeit, um dranzubleiben, sind natürlich auch Schreibkurse. Falls ihr in der Nähe des Sauerlandes wohnt, gibt es diese Samstags und Sonntags im Berghaus und zwar für schlappe 5-10€. Hauptsache Schreiben;)

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Kommentare: 3
  • #1

    Jörn (Sonntag, 10 Juni 2018 17:57)

    Ich schreibe gerne Briefe, es gibt aber Tage, da habe ich überhaupt keine Lust dazu...
    Und dann lese ich noch mal den letzten Brief, nur Notizen machen, nicht schreiben.
    Im Anschluss fange ich dann doch an zu schreiben, eine holprige Begrüßung, die ersten zwei, drei Sätze, mehr will ich nicht machen.
    Und dann will Alles raus und ich merke, dass ich schon wieder vier Seiten vorn und hinten vollgeschrieben habe.
    Der Hunger kommt beim Essen.

  • #2

    Ju Lu (Sonntag, 10 Juni 2018 19:38)

    Habe mich seit den Rauhnächten mit den Schreiben begonnen und bin im Nachhinein sprachlos, was so alles aus mir floss. Obwohl ich beim ersten Thema schrieb:
    Ich weiß gar nicht was ich schreiben soll ...
    Und erst das lesen , jeden Monat ein Thema, das haut mich um.
    Es ist wirklich wahr, einfach hin setzen und schreiben.
    Ich wohne zu weit weg, sonst würde mich dein Angebot reizen.
    Es ist wirklich toll, einfach hinsetzen, los geht's...���

  • #3

    Beatrix (Sonntag, 17 Juni 2018)

    #Jörn danke für deinen Kommentar. Ich schreibe auch gerne Briefe und ja genauso empfinde ich es auch: Sobald ich den Stift in der Hand habe, kommt auch was raus;)