Ratschläge verbergen geschickt die eigene Angst

Ihr Lieben,

neigt ihr auch so dazu, Ratschläge zu erteilen? Jemand sagt was und bei mir startet ein Automatismus mit der Frage: Wie kann ich helfen? Meistens gebe ich gute Ratschläge, praktische, wertvolle, pädagogisch-lupenreine, faszinierende... Aber ich soll doch keine Ratschläge verteilen, sie sind wie Schläge (auch das wieder ein Ratschlag). 

 

Warum geben wir Ratschläge?

Gehen wir der Sache auf den Grund. Jemand erzählt mir von seinen Problemen, erster Impuls: "Trösten wollen, sagen wollen, dass er so wie er ist, ok ist, Freund sein wollen". Zweiter Impuls: "Ich finde die Lösung, nach der er sucht". Der Ratschlag kommt, weil ich ein kreativer Mensch bin, mir fällt leider sofort was dazu ein. Ich erkenne schnell das zu Grunde liegende "Problem" und peng... schieße ich los. Ungefragt.

 

Ratschläge verbergen eine Angst

Seit einiger Zeit gehe ich bewusster an die Sache heran. Es hatte mit etwas anderem zu tun, das mir aber zeigte, dass hinter dem Ratschlag geben wollen, eine Angst steckt. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren und zu erkennen, dass die Welt nicht so friedlich ist, wie ich das gerne hätte. Die Angst, im Chaos der Streitereien und chaotischen Egospiele unterzugehen. 

Das erkannte ich durch ein spannendes Schreib-Erlebnis... Als ich vor kurzem so wütend war, dass ich jemanden hätte schütteln mögen, griff ich zum Stift und das arme Papier wurde bearbeitet... bis ich ruhiger wurde.. und plötzlich schrieb ich, dass hinter der Wut pure Angst ist. Das ließ mich innehalten und staunen. Wie kann das sein? Hinter so einem heftigen Gefühl, Angst? Ich spürte nach und mir wurde klar: Ich war nur wütend, weil ich ein Horrorszenario im Kopf hatte. Es sollte gefälligst so gehen, wie ich es wollte und für gut befand, sonst bahnte sich eine Katastrophe an, bei der ich Stress haben würde, die Kontrolle verlieren könnte oder hilflos wäre...

Seitdem gucke ich bei allem genauer hin, welche Angst bei mir gerade angetriggert wird. 

 

Freies Schreiben schafft Ordnung

Wenn mir jemand von seinen Problemen erzählt, habe ich Angst keine Lösung zu finden, hilflos zu sein, sonst unterzugehen. Anstelle dem anderen zu vertrauen, dass er die Lösung alleine findet, will ich ihm das abnehmen, damit mein Weltbild nicht ins Wackeln gerät. Seitdem achte ich bei Gesprächen darauf, nur zuzuhören und die "Probleme" beim anderen zu belassen, ihm höchstens zurückzugeben: "Was hat denn letztes Mal funktioniert?" oder "Was kannst du denn jetzt tun?" oder einfach nur auszuhalten, dass die Welt nicht in Ordnung ist, dass es Egozentriker gibt, gemeine Schurken und miese Neider. DAS fällt mir nämlich echt schwer. Ich habe den Drang, die Welt sofort wieder in Ordnung zu bringen, weil ich Unordnung und Chaos so lange in meinem Kopf hin- und herwälze, bis ich eine Lösung habe. Mein Gehirn ist darauf trainiert. Bis zum nächsten an mich herangetragenen Problem...;)

Eure Beatrix 

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